Der Köbes

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Köbes, noch e Kölsch! Wenn dieser Ruf ertönt, dann wissen die geneigten Biertrinker, sie befinden sich in Köln. Oder genauer gesagt in einem Kölner Brauhaus oder einer Kölner Kneipe. Dort serviert traditionell eine besondere Art von Kellner das Bier: Der Köbes. Köbes ist dabei die kölsche Form von Jakob. Woher diese Bezeichnung stammt? Überliefert, aber nicht nachgewiesen, ist der „Köbes“ ein Überbleibsel aus den Pilgerfahrten nach Santiago de Campostela. Der Weg der Pilger führte viele Pilger damals über Köln. Die ärmeren Pilger, die in Köln mit leerer Reisekasse gelandet waren, brauchten Geld. Viele Pilger versuchten sich schließlich in Kölner Kneipen als Aushilfskellner. Die Kölner – ganz pragmatisch – nannte die ständig wechselnden Kellner mit fremdländischen Namen nach dem Apostel Jakob, zu dessen Grab die Pilger eigentlich auf dem Weg waren. Aus dem Jakob wurde – wahrscheinlich auch unter dem Einfluss von reichlich Kölsch – schließlich der Köbes.

Eine andere Legende besagt, dass der Namensgeber ein Brauerei-Geselle aus Köln namens Jakob Fischer war. Laut der Legende versuchte ein Kölner Erzbischof, eine Altbierbrauerei hier in Köln aufzumachen. Die Kölner Brauer – alles andere als begeistert – gingen in den Streik. Als seine Eminenz daraufhin trocken gelaufen war, rief er die Kölner Brauer zu sich und veranlasste schließlich, um den Streik beizulegen, ein Wetttrinken zwischen dem beste Altbier-Trinker und den besten Kölsch-Trinker. Bei einem Sieg des Kölsch-Trinkers sollte die Altbierbrauerei geschlossen werden. Die Kölner hatten Schwierigkeiten jemanden zu finden, der diese Verantwortung tragen wollte. Der Brauerei-Geselle Jakob Fischer übernahm den Job. Am Tag der Entscheidung trank er zuerst einen Schluck frisch gepressten Olivenöls. Dann folgte ein Glas Bier nach dem anderen. Nachdem die beiden Wetttrinker das 40. Glas geleert hatten, fiel der Düsseldorfer schließlich von der Bank. Jakob dagegen trank noch ein Glas Kölsch. Der Wettbewerb war gewonnen, die Altbierbrauerei wurde geschlossen und jeder Brauerei-Geselle wurde zum Gedenken an Jakobs Heldentat Köbes getauft.

Ob diese Legenden der Namensherkunft wahr sind  oder nicht, der Köbes gehört zu einem Kölner Brauerhaus wie das Kölsch in die Kölner Stange oder der Dom nach Kölle. Was den Köbes zu einem ganz speziellen Kellner macht, ist die Art zu servieren: Wenn Dein Bierglas leer ist, brauchst Du meist nicht nach einem Kölsch zu rufen, der Köbes stellt – wohl wissend um die Durstigkeit der meisten Kölner – ohne Bestellung ein neues Glas hin. Um den Bierstrom zu unterbinden, muss der Gast einen Bierdeckel auf das Glas legen oder dem Köbes ein Zeichen geben zuzahlen. Gleichzeitig würde wohl der Köbes die Bezeichnung Kellner ablehnen: Sie waren früher zumeist Brauknechte. Daher stammt wohl auch ihre derbe, forsche, ruppige, mürrische, häufig für Nicht-Kölner als unfreundlich empfundene Art zu bedienen. Sie waren einfach ungeschult in der Kunst der Kunde-ist-König-Bedienung. Gastfreundlichkeit nimmt der Köbes andererseits sehr wörtlich: der Gast  muss freundlich sein. Dann bekommt er auch vom Köbes das nächste Kölsch hingestellt. Der Köbes serviert seine Gäste dabei meist ohne Hast oder Eile. Des Kölners liebster Kellner ist mit seiner blauen Leinen-Schürze, umgeschnallter ledernen Geldtasche und mit Bierkranz doch ein recht sympathischer und freundlicher Zeitgenosse und aus Köln nicht wegzudenken.

Allerdings sollte man auf der Hut sein, wenn man doch ein anderes Getränk als Kölsch bestellen möchte. Das soll schon zu der ein oder anderen unangenehmen Situation geführt haben. Insbesondere wenn der liebste Nachbar der Kölner in seiner unbelehrbaren Art ein Alt bestellt. Dann kann der Köbes schon mal den Gast übersehen oder eben ein altes Bier hinstellen. In Köln servieren Köbesse noch u.a. bei Früh, Gaffel, Gilden im Zims, Lommerzheim, Malzmühle, Max Stark, Päffgen, Reissdorf, Schreckenskammer, Sion, und Haus Töller. Bestelle doch mal beim Köbes Dein nächstes Kölsch.

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