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Auf ein Kölsch

Thorben ist Düsseldorfer. Davon begegneten mir im Rahmen dieses Projektes schon so einige. Der Jura-Student war jedoch der Erste, der mich nicht in die verbotene Stadt lockte, sondern lieber nach Köln reiste. Gesagt, getan. Die Wahl der Kneipe viel relativ leicht, denn besonders viele kennt Thorben nach eigener Aussage hier gar nicht.

Eigentlich wollten wir ins Limes, als wir uns in Mülheim treffen, doch das macht natürlich genau heute erst um 20:00 Uhr auf. Die Stunde wollen wir nicht warten und ändern unsere Pläne. Zum Glück ist das Wetter gut und der Rhein nicht weit entfernt. Der Kiosk gegenüber vom Limes ist der beste Anlaufpunkt für ein paar Mühlenkölsch und schon sind wir auf dem Weg zum Wasser.

Es geht mal wieder hoch hinaus, denn das Uni Center wartet. Ich bin mit Endi verabredet, der mich zusammen mit Simon empfängt. Simon greift im Alltag etwas unter die Arme, denn Endi ist wegen seiner Körperbehinderung schon lange auf den Rollstuhl angewiesen. Mit seinen Händen steuert er den elektronisch betriebenen Rollstuhl problemlos durch seine geräumige Wohnung. Ein Fakt, der Endi selbst eher kaum beschäftigt. Auf meine Frage, warum er eigentlich im Rollstuhl sitzt, antwortet er direkt und ohne Umschweife:

Als ich Herr Pimock auf der Aachener Straße endlich erreiche, sitzt Lina schon in der untergehenden Sonne und raucht eine Kippe. Die 21-jährige Kölnerin ist im Gegensatz zu mir nämlich pünktlich. Mit dem Fahrrad kam die in Zollstock wohnende Wahlkölnerin direkt von der Arbeit und freut sich nach eigener Aussage schon den ganzen Tag auf das Feierabendbier. In einer Kölner Packaging Agentur hat Lina gerade ihre Ausbildung beendet und ist dafür zuständig, dass die Verpackungen von großen Marken und deren Produkten möglichst sexy aussehen.

Im Sommer ist der Brüsselerplatz Publikumsmagnet für unzählige Kölner, die auf der Straße ihr Kioskbier trinken. Ganz zur Freude der Einwohner. Heute sitzen wir ausnahmsweise Mal drinnen, und zwar im "Brüssler" direkt am Brüsslerplatz. Die liebevoll eingerichtete Eckkneipe ist wohl bekannt für ihre Brathähnchen. Nicci hat sich diesen Ort für unser "Auf ein Kölsch" gewünscht und als Fan von guter Inneneinrichtung kann ich ihr diese Entscheidung nur gut heißen.

In Dellbrück bin ich mit Patrick auf ein Kölsch verabredet. Die Sonne meint es gut mit uns, als ich ihn in der Wohnung seiner Mutter treffe und wir unsere Reissdorf-Flaschen direkt auf dem Balkon des dritten Stocks öffnen. Der wohnliche Blick auf die Hinterhäuser ist eine gelungene Abwechslung zum meist sehr Auto dominierten Ausblick der Kölner Kneipen. Der Grund, warum ich Patrick in der Bude seiner Mutter treffe, ist einfach: Er hat keinen festen Wohnsitz mehr, seinen letzten in Bergisch Gladbach hat er gerade aufgegeben. Jetzt lebt er überwiegend bei Freunden, wenn er nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Auf zum ersten “auf ein Kölsch” mit einer Kunstfigur. Im artheater treffe ich Hildegart Scholten. Die Dame, die als Moderatorin jeden Montag durch Kunst gegen Bares führt, fördert und zusammen mit Kollege Gerd Buurmann das Projekt vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Es ist gerade Pause im Bühnenprogramm und wir sitzen auf den schönen Selfmade-Paletten-Sesseln des Artheaters, während Gäste und Künstler den Raum füllen und ihren Durst für die zweite Hälfte der Show stillen.

Eigentlich ziemlich gut, wenn ein Brauhaus mit dem Titel "Brauhaus ohne Namen" deine Stammkneipe ist. Genau hier bin ich heute auf der Schäl Sick mitten in Deutz nur unweit der Severinsbrücke mit Basti verabredet. Der gebürtige Bergisch Gladbacher war natürlich schon immer der Domstadt verbunden, nicht nur wegen seiner Liebe für den Fußball. Als Deutzer stört es ihn mit seiner Laufstrecke am Rhein auch gar nicht, dass er auf den Dom blicken darf. Im Gegenteil, auch er ist großer Fan der "falschen Rheinseite",

Auf der Richard Wagner Straße treffe ich Joanna. Hier wohnt die 25-jährige seit einigen Monaten. Inzwischen auch endlich nicht mehr nur zur Zwischenmiete. Praktisch, denn mit der Wohngemeinschaft liegt direkt eine von Kölns bekanntesten und wahrscheinlich größten Kneipen vor der eigenen Haustür. Genau dort wollen wir auch eigentlich hin, als wir dann dank der letzten Sonnenstrahlen ein Wegbier und den Aachenerweiher doch vorziehen. Eine Entscheidung, die uns später noch einmal einholen soll.