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Auf ein Kölsch?

Als ich Herr Pimock auf der Aachener Straße endlich erreiche, sitzt Lina schon in der untergehenden Sonne und raucht eine Kippe. Die 21-jährige Kölnerin ist im Gegensatz zu mir nämlich pünktlich. Mit dem Fahrrad kam die in Zollstock wohnende Wahlkölnerin direkt von der Arbeit und freut sich nach eigener Aussage schon den ganzen Tag auf das Feierabendbier. In einer Kölner Packaging Agentur hat Lina gerade ihre Ausbildung beendet und ist dafür zuständig, dass die Verpackungen von großen Marken und deren Produkten möglichst sexy aussehen.

Im Sommer ist der Brüsselerplatz Publikumsmagnet für unzählige Kölner, die auf der Straße ihr Kioskbier trinken. Ganz zur Freude der Einwohner. Heute sitzen wir ausnahmsweise Mal drinnen, und zwar im "Brüssler" direkt am Brüsslerplatz. Die liebevoll eingerichtete Eckkneipe ist wohl bekannt für ihre Brathähnchen. Nicci hat sich diesen Ort für unser "Auf ein Kölsch" gewünscht und als Fan von guter Inneneinrichtung kann ich ihr diese Entscheidung nur gut heißen.

In Dellbrück bin ich mit Patrick auf ein Kölsch verabredet. Die Sonne meint es gut mit uns, als ich ihn in der Wohnung seiner Mutter treffe und wir unsere Reissdorf-Flaschen direkt auf dem Balkon des dritten Stocks öffnen. Der wohnliche Blick auf die Hinterhäuser ist eine gelungene Abwechslung zum meist sehr Auto dominierten Ausblick der Kölner Kneipen. Der Grund, warum ich Patrick in der Bude seiner Mutter treffe, ist einfach: Er hat keinen festen Wohnsitz mehr, seinen letzten in Bergisch Gladbach hat er gerade aufgegeben. Jetzt lebt er überwiegend bei Freunden, wenn er nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Auf zum ersten “auf ein Kölsch” mit einer Kunstfigur. Im artheater treffe ich Hildegart Scholten. Die Dame, die als Moderatorin jeden Montag durch Kunst gegen Bares führt, fördert und zusammen mit Kollege Gerd Buurmann das Projekt vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Es ist gerade Pause im Bühnenprogramm und wir sitzen auf den schönen Selfmade-Paletten-Sesseln des Artheaters, während Gäste und Künstler den Raum füllen und ihren Durst für die zweite Hälfte der Show stillen.

Eigentlich ziemlich gut, wenn ein Brauhaus mit dem Titel "Brauhaus ohne Namen" deine Stammkneipe ist. Genau hier bin ich heute auf der Schäl Sick mitten in Deutz nur unweit der Severinsbrücke mit Basti verabredet. Der gebürtige Bergisch Gladbacher war natürlich schon immer der Domstadt verbunden, nicht nur wegen seiner Liebe für den Fußball. Als Deutzer stört es ihn mit seiner Laufstrecke am Rhein auch gar nicht, dass er auf den Dom blicken darf. Im Gegenteil, auch er ist großer Fan der "falschen Rheinseite",

Auf der Richard Wagner Straße treffe ich Joanna. Hier wohnt die 25-jährige seit einigen Monaten. Inzwischen auch endlich nicht mehr nur zur Zwischenmiete. Praktisch, denn mit der Wohngemeinschaft liegt direkt eine von Kölns bekanntesten und wahrscheinlich größten Kneipen vor der eigenen Haustür. Genau dort wollen wir auch eigentlich hin, als wir dann dank der letzten Sonnenstrahlen ein Wegbier und den Aachenerweiher doch vorziehen. Eine Entscheidung, die uns später noch einmal einholen soll.

Das Uni-Center in Köln gehört zu den höchsten Wohnhäusern Europas, wer von unten hochschaut, weiß genau, warum hier gerne Menschen runterspringen. Es ist ein Ungetüm von Beton. Nach einem kurzen Anruf bei Simon, lässt mich der Pförtner zu einem der unzähligen Aufzüge durch und ich bin gespannt, was mich erwartet. Im richtigen Flur angekommen erwartet mich Simon im sonnigen Hawaiihemd in seiner Tür und empfängt mich grinsend.

Direkt am Ebertplatz wohnt Nils in seiner klassischen Souterrain Wohnung. In einer Kombination aus Wohn- und Probezimmer empfängt mich Nils auf ein Flaschenkölsch. Seit 4 Jahren wohnt der groß gewachsene Schauspieler und ehemalige Dozent nun schon in Köln, aufgewachsen ist Nils nämlich mit seiner deutschen Mutter und seinem britischen Vater im bergischen Marienheide. Seine Liebe zur Musik und dem Schauspiel hat der 33-Jährige schon sein Leben lang, getraut alles auf diese Karte zu setzen, hat er sich allerdings erst jetzt und schmiss vor zwei Jahr seine sichere Dozentenstelle an der Uni

Im Harp trifft Kölner Kneipenkultur auf das Flair eines klassischen Irish Pubs. Schlecht gerahmte Bilder und eine verwinkelte Struktur machen "The Harp" schon beim Eintreten sympathisch. Hier direkt an der Venloer Str. kurz vor dem Stadtgarten bin ich mit Daniel verabredet. Wir sind uns irgendwann mal zufällig über den Weg gelaufen. Leute, die Leute kennen eben. Seine Arbeit als Sounddesigner und Komponist machte ihn für mich besonders interessant, weil ich sonst keinen Einzigen kenne.

Mit drei Mitbewohnern teilt sich Adrian (nur ich nenne ihn Ähdrian) seine großzügige und moderne WG direkt an der Aachenerstraße. An der Ecke zur Moltkestraße mit Blick auf das Subway ragt das alte Schlachthaus in die Höhe und beheimatet insgesamt vier WGs auf vier Stockwerken. Adrian wohnt im 2. Stockwerk und hat die Hälfte seines Zimmers mit einem Kicker zugestellt. Das hat einen guten Grund, denn nach seinem Umzug vor 4 Jahren aus einem Bielefelder Vorort in die Rheinmetropole begann er relativ zügig mit dem ambitionierten Kickern.