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Auf ein Kölsch?

Ein kleiner Fakekreisverkehr gibt die Sicht auf den Eingang des „goldenen Schusses“ frei. Unweit vom Friesenplatz liegt die alternative Fußballkneipe direkt an der Kreuzung der Antwerpener- und der Brüsseler Str. Hier bin ich mit Nils verabredet. Der goldene Schuss ist nämlich die Stammkneipe, wo der Burscheider sich immer mit seinen Kumpels zum Fußballgucken trifft. Als aktiver Kicker ist das kein großes Wunder. Auch heute ist er nach unserem Kölsch wieder mit seinen Jungs verabredet. Nach dem Spiel geht’s für ihn dann Heim, wo er für Innenstadtverhältnisse fast ländlich wohnt.

Heute ist die All Bar One das Ziel meiner Reise. Als ich die Haltestelle Friesenplatz verlasse, wartet mein heutiger Kölsch-Gast schon. Can sitzt als einer der Letzten noch draußen und blickt unter einem der mit Heizstrahlern ausgestatteten Sonnenschirme auf den Verkehr. Das machen er und seine Frau gerne, wenn sie mal den Sohn irgendwo untergebracht haben. Sie setzen sich in einer der unzähligen Bars und Kneipen und beobachten das wilde Treiben des Kölner Stadtverkehrs.

Ein wahrer Glücksgriff, der Tom da gelang, als er vor ein paar Jahren in die Traum-WG am Dom eingezogen ist. Mit drei anderen Mitbewohnern teilt er sich 120 qm und genießt jeden Tag den Blick auf Kölns Wahrzeichen. Eigentlich sollte das Haus schon längst abgerissen werden, doch bisher fehlte der Stadt wohl das Geld für den anschließenden Neubau. Also verlängerte sich der Mietvertrag Jahr für Jahr. Was für andere der Supermarkt ist, ist für die WG von Tom der benachbarte Kiosk in der "unter Taschenmacher" Gasse. Hier kennt man sich. Die WG, die Besitzer.

In knapp 7 Minuten bin ich mit dem Fahrrad in der Taunusstraße in Gremberg. Es regnet. Thilo steht schon vor der Tür des Lamängs. Auch nüchtern ist seine äußerliche Ähnlichkeit zur Rapstar Marteria unverkennbar. Ich schließe mein Fahrrad an und vergesse beim Quatschen doch glatt, den Schlüssel aus dem Schloss zuziehen, was im späteren Abendverlauf zu einem kurzen Herzinfarkt führen wird. Jetzt hängt er aber erst einmal ein paar Stunden im Regen rum. Vor Jahren hat Thilos Geschichte mit dem Lamäng begonnen.

Natürlich lautet auch meine erste Frage an diesem Abend, ob er ein Benjamin oder ein echter Ben ist. Leider ist seine Antwort ernüchternd, aber nachtragend bin ich ja nicht. Dafür freue ich mich zu sehr den Bartträger unter seiner Basecap endlich näher kennenzulernen. Ins Little Lui hat er mich eingeladen, die kleine Eckkneipe, die es jetzt scheinbar erst knappe 2 Jahre gibt und die er liebevoll, als sein Wohnzimmer bezeichnet. Direkt auf der Ecke von Moselstraße und Luxemburger Str. nur unweit vom Luxor entfernt ist der Little Lui gut über den Barbarossaplatz oder die Dasselstraße zu erreichen. Jeden Donnerstag findet hier die Caribbean Corner

Am Ebertplatz, mittendrin, bin ich mit Lucas verabredet. Der wohnt zwar gar nicht in Köln, ist aber öfters hier unterwegs. Auch die Wohnung, wo wir uns so schön Zentral mit Blick auf den Dom treffen, gehört nicht ihm, sondern seinem heutigen Model. Runa lebt ihr und beherbergt uns für unser Kölsch-Date in ihrer kleinen Küche. Lucas verdient sich mit der Fotografie nämlich neben seinem Studium etwas dazu. Macht Hochzeitsreportagen, Auftragsarbeiten und eben freie Strecken – so wie heute mit Runa. Dass Lucas also erst knappe 20 Jahre alt ist, wollte ich ihm natürlich nicht glauben. Dafür wirkt der nicht besonders groß gewachsene Mensch einfach zu reif und

Fast pünktlich treffen Moritz und ich uns am Deutzer Bahnhof nur unweit seiner Arbeitsstätte. Er arbeitet bei einem von Kölns großen Fernsehhäusern und macht als freier Mitarbeiter da so einige Sachen für Formate, die ihr wahrscheinlich kennt. Unter anderem sorgt er dafür, dass die Studios und die Studioeinblendungen so aussehen, wie sie das Abends in der Glotze eben tun. Erzählen kann er davon genug. Sein zweites Standbein hat Moritz vor Jahren in der Fotografie gefunden

Gerne sieht sich Andreas nicht in Front einer Kamera. Er schaut lieber durch, denn mit Kameras bzw. den daraus entstehenden Bildern verdient Andreas seinen Lebensunterhalt. Deswegen ist auch dem glücklichen Umstand geschuldet, dass wir uns gerade in der Tankstelle auf der Kyffhäuserstraße zum Kölsch treffen. Die wenigste Zeit des Jahres verbringt Andreas nämlich wirklich in Köln, meist nur ein paar Tage am Stück, dann ist der hauptberufliche Fotograf wieder unterwegs. Er macht das, was sich die meisten Menschen gar nicht vorstellen können.

Dieses Mal geht es zum Chlodwigplatz, wo ich mit Martin auf ein Kölsch verabredet bin. Er wohnt zusammen mit seiner Frau in einer Seitenstraße des Chlodwigplatzes, Altbau natürlich. Dort soll ich ihn abholen. Hier ticken die Uhren noch etwas anders. Echter Albau eben. Martin ist gerade dabei den Ofen im Wohnzimmer anzufeuern, mit dem die beiden ihre Wohnung heizen. Das Holz wird im Keller des Hauses gelagert, dort liegt auch die Axt, um es zu verarbeiten. Einen Fernseher suche ich vergeblich, dafür gibt es direkt am Ofen zwei gemütliche Lesesessel. An der Wand hängt ein riesiger Rahmen mit Albumcover des letzten Gold-Releases, denn Martin arbeitet inzwischen schon seit 15 Jahren für das Kölner Musiklabel Rootdown. 

Draußen ist es schon ziemlich dunkel, im Spiegelraum des Feynsinn's aber nicht. So, wie ich diese kleine Ecke des eigentlich recht großräumigen Cafés ab jetzt nenne. Die drei riesigen Spiegelwände die eine Art kleinen Raum innerhalb des direkt am Rathenauplatz Ecke Heinsbergstraße unweit des Zülpicherplatzes liegenden Cafés scheinen auch den ein oder anderen Stammgast zu verwirren, wie mir Britta auf meinen etwas irritierten Blick sofort entgegnet. Nicht selten wird dann schon bei der Tischreservierung angemerkt "aber nicht vor einem Spiegel, bitte". Ich finde das lustig, für die Fotos des Abends sind die Spiegel nämlich perfekt