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Frau Tag

Eigentlich wollten wir ins Limes, als wir uns in Mülheim treffen, doch das macht natürlich genau heute erst um 20:00 Uhr auf. Die Stunde wollen wir nicht warten und ändern unsere Pläne. Zum Glück ist das Wetter gut und der Rhein nicht weit entfernt. Der Kiosk gegenüber vom Limes ist der beste Anlaufpunkt für ein paar Mühlenkölsch und schon sind wir auf dem Weg zum Wasser.

Auf zum ersten “auf ein Kölsch” mit einer Kunstfigur. Im artheater treffe ich Hildegart Scholten. Die Dame, die als Moderatorin jeden Montag durch Kunst gegen Bares führt, fördert und zusammen mit Kollege Gerd Buurmann das Projekt vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Es ist gerade Pause im Bühnenprogramm und wir sitzen auf den schönen Selfmade-Paletten-Sesseln des Artheaters, während Gäste und Künstler den Raum füllen und ihren Durst für die zweite Hälfte der Show stillen.

Auf der Richard Wagner Straße treffe ich Joanna. Hier wohnt die 25-jährige seit einigen Monaten. Inzwischen auch endlich nicht mehr nur zur Zwischenmiete. Praktisch, denn mit der Wohngemeinschaft liegt direkt eine von Kölns bekanntesten und wahrscheinlich größten Kneipen vor der eigenen Haustür. Genau dort wollen wir auch eigentlich hin, als wir dann dank der letzten Sonnenstrahlen ein Wegbier und den Aachenerweiher doch vorziehen. Eine Entscheidung, die uns später noch einmal einholen soll.

Es ist kalt und regnerisch und eigentlich gar nicht der richtige Zeitpunkt, um Kölsch unter freiem Himmel und auf einer Tischtennisplatte sitzend zu trinken. Aber heute ist das egal, beschließen wir. Wir, das sind dieses Mal Isis und ich. Wir sitzen also im Dunkeln auf diesem sehr schlecht beleuchteten Spielplatz zwischen der Schönsteinstraße und der Bartholomäus-Schink-Straße direkt gegenüber vom Club Bahnhof Ehrenfeld und beobachten Fußgänger

Zwischen leeren Graffitidosen und moderner Streetart treffe ich mich mit Hanna im Kunstbruder. Gelegen in einer Seitenstraße am Rudolfplatz ist der Kunstbruder eine Mischung aus Galerie, Bar und Restaurant. Zwei Dinge, machen die Location auf Anhieb sympathisch: 1) die gute Einrichtung in schöner Atmosphäre. 2) Die gute Musik. Wer noch nicht im Kunstbruder war, mag an dieser Stelle wahrscheinlich auch diese Bar nicht erwarten und sie schon das eine oder andere Mal übersehen haben.

Anna kommt aus dem Westerwald und besteht auch jetzt noch fest darauf, dass ihre Trinkfestigkeit dort begründet liegt. Unterbewusst könnte das auch einer der Gründe gewesen sein, warum sie sich für eine Stadt mit einer Trinkkultur entschieden hat: Köln. Untergekommen ist sie in einer kleinen WG direkt am Hansaring. Ihr Designstudium an der EcoSign in Ehrenfeld liegt inzwischen in den letzten Zügen. Wie es danach weitergeht, weiß sie noch nicht.

Rosemarie Monhart lädt mich in die Küche ihrer Dachgeschosswohnung nach Köln-Dellbrück ein. Vom Kiosk soll ich einfach zwei Reissdorf-Kölsch mitbringen. Gesagt, getan. An diesem sehr sonnigen Tag ist die Wohnung von Rosemarie durch die großen Fenster besonders freundlich und hell. Rosemarie arbeitet schon lange als Pflegekraft. Das Handwerk dazu hat sie in einer Ausbildung gelernt. Seitdem ist sie dem Job treu geblieben. Die tägliche Arbeit und der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen hat sie über die Jahre verändert.

Irgendwie ist Köln eben doch ein Dorf. Vor vielen Jahren war Vera öfter in Poll unterwegs und so ist es kein Wunder, dass sie sogar meine Adresse von früher kennt. Sie schlägt mir vor, mich einfach nach der Arbeit mit dem Auto abzuholen und empfiehlt die Braustelle in Köln Ehrenfeld als perfektes Ziel für den Abend. Eine gute Idee, denn die Helios Braustelle bezeichnet sich selbst als die kleinste und innovativste Brauerei in Köln und schenkt mit dem Helios-Kölsch tatsächlich ein selbst gebrautes Bier aus. In der Hospeltstraße bekommen wir auch auf Anhieb einen Parkplatz und müssen nur noch ein paar Meter zur Christianstrasse 2 laufen.