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Gaffel Tag

Als ich Herr Pimock auf der Aachener Straße endlich erreiche, sitzt Lina schon in der untergehenden Sonne und raucht eine Kippe. Die 21-jährige Kölnerin ist im Gegensatz zu mir nämlich pünktlich. Mit dem Fahrrad kam die in Zollstock wohnende Wahlkölnerin direkt von der Arbeit und freut sich nach eigener Aussage schon den ganzen Tag auf das Feierabendbier. In einer Kölner Packaging Agentur hat Lina gerade ihre Ausbildung beendet und ist dafür zuständig, dass die Verpackungen von großen Marken und deren Produkten möglichst sexy aussehen.

Im Sommer ist der Brüsselerplatz Publikumsmagnet für unzählige Kölner, die auf der Straße ihr Kioskbier trinken. Ganz zur Freude der Einwohner. Heute sitzen wir ausnahmsweise Mal drinnen, und zwar im "Brüssler" direkt am Brüsslerplatz. Die liebevoll eingerichtete Eckkneipe ist wohl bekannt für ihre Brathähnchen. Nicci hat sich diesen Ort für unser "Auf ein Kölsch" gewünscht und als Fan von guter Inneneinrichtung kann ich ihr diese Entscheidung nur gut heißen.

Eigentlich ziemlich gut, wenn ein Brauhaus mit dem Titel "Brauhaus ohne Namen" deine Stammkneipe ist. Genau hier bin ich heute auf der Schäl Sick mitten in Deutz nur unweit der Severinsbrücke mit Basti verabredet. Der gebürtige Bergisch Gladbacher war natürlich schon immer der Domstadt verbunden, nicht nur wegen seiner Liebe für den Fußball. Als Deutzer stört es ihn mit seiner Laufstrecke am Rhein auch gar nicht, dass er auf den Dom blicken darf. Im Gegenteil, auch er ist großer Fan der "falschen Rheinseite",

Natürlich lautet auch meine erste Frage an diesem Abend, ob er ein Benjamin oder ein echter Ben ist. Leider ist seine Antwort ernüchternd, aber nachtragend bin ich ja nicht. Dafür freue ich mich zu sehr den Bartträger unter seiner Basecap endlich näher kennenzulernen. Ins Little Lui hat er mich eingeladen, die kleine Eckkneipe, die es jetzt scheinbar erst knappe 2 Jahre gibt und die er liebevoll, als sein Wohnzimmer bezeichnet. Direkt auf der Ecke von Moselstraße und Luxemburger Str. nur unweit vom Luxor entfernt ist der Little Lui gut über den Barbarossaplatz oder die Dasselstraße zu erreichen. Jeden Donnerstag findet hier die Caribbean Corner

Gerne sieht sich Andreas nicht in Front einer Kamera. Er schaut lieber durch, denn mit Kameras bzw. den daraus entstehenden Bildern verdient Andreas seinen Lebensunterhalt. Deswegen ist auch dem glücklichen Umstand geschuldet, dass wir uns gerade in der Tankstelle auf der Kyffhäuserstraße zum Kölsch treffen. Die wenigste Zeit des Jahres verbringt Andreas nämlich wirklich in Köln, meist nur ein paar Tage am Stück, dann ist der hauptberufliche Fotograf wieder unterwegs. Er macht das, was sich die meisten Menschen gar nicht vorstellen können.

Dieses Mal geht es zum Chlodwigplatz, wo ich mit Martin auf ein Kölsch verabredet bin. Er wohnt zusammen mit seiner Frau in einer Seitenstraße des Chlodwigplatzes, Altbau natürlich. Dort soll ich ihn abholen. Hier ticken die Uhren noch etwas anders. Echter Albau eben. Martin ist gerade dabei den Ofen im Wohnzimmer anzufeuern, mit dem die beiden ihre Wohnung heizen. Das Holz wird im Keller des Hauses gelagert, dort liegt auch die Axt, um es zu verarbeiten. Einen Fernseher suche ich vergeblich, dafür gibt es direkt am Ofen zwei gemütliche Lesesessel. An der Wand hängt ein riesiger Rahmen mit Albumcover des letzten Gold-Releases, denn Martin arbeitet inzwischen schon seit 15 Jahren für das Kölner Musiklabel Rootdown. 

Das Unicenter an der Universitätsstraße in Köln-Sülz gehört mit seiner Architektur zu einem der größten Wohnhäuser Europas. Genau hier bin ich mit Gerd Buurmann zum Kölsch verabredet und warte mit einem vom Kiosk nebenan gefüllten Kölsch-Rucksack beim Pförtner. Wenig später kommt auch Gerd, der den Pförtner freundlich grüßt und den Zugang zu einem der unzähligen Fahrstühle freigeben lässt. Die meisten kennen Gerd aus dem Rampenlicht des artheaters. Dort wo er zusammen mit Hildegard Scholten inzwischen jeden Montag durch Kunst gegen Bares führt und  

Anna kommt aus dem Westerwald und besteht auch jetzt noch fest darauf, dass ihre Trinkfestigkeit dort begründet liegt. Unterbewusst könnte das auch einer der Gründe gewesen sein, warum sie sich für eine Stadt mit einer Trinkkultur entschieden hat: Köln. Untergekommen ist sie in einer kleinen WG direkt am Hansaring. Ihr Designstudium an der EcoSign in Ehrenfeld liegt inzwischen in den letzten Zügen. Wie es danach weitergeht, weiß sie noch nicht.