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Mann Tag

Thorben ist Düsseldorfer. Davon begegneten mir im Rahmen dieses Projektes schon so einige. Der Jura-Student war jedoch der Erste, der mich nicht in die verbotene Stadt lockte, sondern lieber nach Köln reiste. Gesagt, getan. Die Wahl der Kneipe viel relativ leicht, denn besonders viele kennt Thorben nach eigener Aussage hier gar nicht.

Es geht mal wieder hoch hinaus, denn das Uni Center wartet. Ich bin mit Endi verabredet, der mich zusammen mit Simon empfängt. Simon greift im Alltag etwas unter die Arme, denn Endi ist wegen seiner Körperbehinderung schon lange auf den Rollstuhl angewiesen. Mit seinen Händen steuert er den elektronisch betriebenen Rollstuhl problemlos durch seine geräumige Wohnung. Ein Fakt, der Endi selbst eher kaum beschäftigt. Auf meine Frage, warum er eigentlich im Rollstuhl sitzt, antwortet er direkt und ohne Umschweife:

In Dellbrück bin ich mit Patrick auf ein Kölsch verabredet. Die Sonne meint es gut mit uns, als ich ihn in der Wohnung seiner Mutter treffe und wir unsere Reissdorf-Flaschen direkt auf dem Balkon des dritten Stocks öffnen. Der wohnliche Blick auf die Hinterhäuser ist eine gelungene Abwechslung zum meist sehr Auto dominierten Ausblick der Kölner Kneipen. Der Grund, warum ich Patrick in der Bude seiner Mutter treffe, ist einfach: Er hat keinen festen Wohnsitz mehr, seinen letzten in Bergisch Gladbach hat er gerade aufgegeben. Jetzt lebt er überwiegend bei Freunden, wenn er nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Eigentlich ziemlich gut, wenn ein Brauhaus mit dem Titel "Brauhaus ohne Namen" deine Stammkneipe ist. Genau hier bin ich heute auf der Schäl Sick mitten in Deutz nur unweit der Severinsbrücke mit Basti verabredet. Der gebürtige Bergisch Gladbacher war natürlich schon immer der Domstadt verbunden, nicht nur wegen seiner Liebe für den Fußball. Als Deutzer stört es ihn mit seiner Laufstrecke am Rhein auch gar nicht, dass er auf den Dom blicken darf. Im Gegenteil, auch er ist großer Fan der "falschen Rheinseite",

Das Uni-Center in Köln gehört zu den höchsten Wohnhäusern Europas, wer von unten hochschaut, weiß genau, warum hier gerne Menschen runterspringen. Es ist ein Ungetüm von Beton. Nach einem kurzen Anruf bei Simon, lässt mich der Pförtner zu einem der unzähligen Aufzüge durch und ich bin gespannt, was mich erwartet. Im richtigen Flur angekommen erwartet mich Simon im sonnigen Hawaiihemd in seiner Tür und empfängt mich grinsend.

Direkt am Ebertplatz wohnt Nils in seiner klassischen Souterrain Wohnung. In einer Kombination aus Wohn- und Probezimmer empfängt mich Nils auf ein Flaschenkölsch. Seit 4 Jahren wohnt der groß gewachsene Schauspieler und ehemalige Dozent nun schon in Köln, aufgewachsen ist Nils nämlich mit seiner deutschen Mutter und seinem britischen Vater im bergischen Marienheide. Seine Liebe zur Musik und dem Schauspiel hat der 33-Jährige schon sein Leben lang, getraut alles auf diese Karte zu setzen, hat er sich allerdings erst jetzt und schmiss vor zwei Jahr seine sichere Dozentenstelle an der Uni

Im Harp trifft Kölner Kneipenkultur auf das Flair eines klassischen Irish Pubs. Schlecht gerahmte Bilder und eine verwinkelte Struktur machen "The Harp" schon beim Eintreten sympathisch. Hier direkt an der Venloer Str. kurz vor dem Stadtgarten bin ich mit Daniel verabredet. Wir sind uns irgendwann mal zufällig über den Weg gelaufen. Leute, die Leute kennen eben. Seine Arbeit als Sounddesigner und Komponist machte ihn für mich besonders interessant, weil ich sonst keinen Einzigen kenne.

Mit drei Mitbewohnern teilt sich Adrian (nur ich nenne ihn Ähdrian) seine großzügige und moderne WG direkt an der Aachenerstraße. An der Ecke zur Moltkestraße mit Blick auf das Subway ragt das alte Schlachthaus in die Höhe und beheimatet insgesamt vier WGs auf vier Stockwerken. Adrian wohnt im 2. Stockwerk und hat die Hälfte seines Zimmers mit einem Kicker zugestellt. Das hat einen guten Grund, denn nach seinem Umzug vor 4 Jahren aus einem Bielefelder Vorort in die Rheinmetropole begann er relativ zügig mit dem ambitionierten Kickern.

Ein kleiner Fakekreisverkehr gibt die Sicht auf den Eingang des „goldenen Schusses“ frei. Unweit vom Friesenplatz liegt die alternative Fußballkneipe direkt an der Kreuzung der Antwerpener- und der Brüsseler Str. Hier bin ich mit Nils verabredet. Der goldene Schuss ist nämlich die Stammkneipe, wo der Burscheider sich immer mit seinen Kumpels zum Fußballgucken trifft. Als aktiver Kicker ist das kein großes Wunder. Auch heute ist er nach unserem Kölsch wieder mit seinen Jungs verabredet. Nach dem Spiel geht’s für ihn dann Heim, wo er für Innenstadtverhältnisse fast ländlich wohnt.